WAS AMEISEN DER HEIMAT GEBEN KÖNNEN

Vortrag zum 5. Heimattag des Wilsdruffer Landes in Cossebaude

9.04.2016

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Nachts von Ameisen zu träumen, das kann verwirrend und anstrengend sein. Wenn man hingegen 20 Jahre mit den Kindernaturschutzgruppe "Aktion Ameise" beschäftigt ist, dann kann man rückblickend sagen, dass die Ameisen der " Aktion Ameise" nicht beunruhigend sind, eher aber viele neue und interessante Strukturen im und um den Zschonergrund herum geschaffen haben.

Im Folgenden möchte ich ihnen sehr gern die Kindernaturschutzgruppe " Aktion Ameise vorstellen. Sie werden etwas zu mir, der Geschichte der Gruppe und zur Religionspädagogischen Ideen erfahren; dann sehen sie ganz Praktisches, hören leicht philosophisches, werden mit mir kurz nachdenklich, um dann wieder optimistisch in die Zielgerade einzubiegen, die auch lyrisch ist. Und am Ende ist alles nur noch ganz einfach.

Nun ganz kurz zu meiner Person. Mein Name ist René Hermann. Ich bin 51 Jahre jung. Bin verheiratet. meine Frau und ich lieben und begleiten 3 Kinder im Alter von 17,15 und 10 Jahren; darüber hinaus gehören zu uns eine Katze, ein Dachshund und 2 Bienenvölker.

Gelernt habe ich, nach dem erfolgreichen Abschluss einer POS, Forstfacharbeiter und weil ich in meinem westdeutschen Freunden keine Feinde sehen konnte, verweigerte ich den Wehrdienst bei der NVA.

Mir blieb beruflich nur noch der Wald und im geistig geistlichen Bereich die Beschäftigung mit der DDR erhältlichen Weltliteratur, wobei ich mich bei Tolstoi festzulesen begann.Von diesem bis zum Evangelium nach Matthäus ,ist es nicht weit und ein Satz aus der Bergpredigt hat mich in besonderer Weise immer wieder neu inspiriert: "Selig sind die Sanftmütigen, denn ihnen wird das Erdreich gehören."

Mir wurde in der ehrenamtlichen Arbeit in einem kirchlichen Friedens -und Umweltkreis in Freiberg immer deutlicher, dass dieser Satz Jesu eine große Hoffnung ausdrückt, an der Mitzutun, immer wieder freundlich eingeladen wird.

Die ersten " Ameisen" liefen 1988 ,nach dem die Kontakte Richtung Westen mit fach literarischer Unterstützung Echo fanden, an die letzten Langhennersdorfer Feldraine und errichteten Benjeshecken. Die Landschaft dort war durch die LPG fast ausgeräumt und unsere " Aktion Ameise" wurde bei allen Aktivitäten parallel von staatlichen Heckenschützen ins Visier genommen, die Schüsse verfehlten jedoch meist das Ziel und später mussten die operativen Vorgänge jäh beendet werden.

Seit 1995 gibt es die Ameisen im Zschonergrund. Sie pflegen den Grund mit Fachlichkeit und viel Liebe. Seit ca. 8 jahren kooperieren wir als Ganztagsangebot mit der 76. Grundschule. Zwei zuverlässige Ehrenamtliche betreuen die Kinder bei größeren Projekten (Diana Geisler) und gestalten die Webseite ( Gerd Güldner).

Die Kindergruppe wird zumeist von 20 Kindern aus der Kirchgemeinde, der Schule und interessierten Familien besucht.

Die Grundsätze der Ameisen sind dabei die, die der Gründer der bundesweiten Ameisen Gunter Steinbach, mit Gleichgesinnten entwickelt hat, und die an Bedeutung noch eher gewonnen, als verloren haben.

Hier wurde eine Folie gezeigt, die Grundsätze sind auch auf dieser Webseite zu finden. G.G.

Diese Grundsätze verkörpern Inhalte der humanistisch christlichen Bildung und verdeutlichen, dass unsere Arbeit den Dialog, das Verbindende sucht.

Es macht Freude, bei unserer Arbeit aus einer Quelle reformpädagogischer Arbeit schöpfen zu können. Diese gründet auf den Ideen und Arbeiten Briesnitzer Lehrer wie Wilhelm Liebert und Friedrich Böttcher, oder Hermann Lemme.

Heute kann ich den Kindern, wenn wir auf den Briesnitzer Friedhöfen Nistkästen pflegen, zumindest das Grab von Böttcher zeigen.

Ein kluger Theologe sprach: " Heimat ist ein Ort, wo die Toten ihre Namen haben".  Diesen Satz finde ich wunderbar, weil er deutlich macht, wie wir mit dem schon Vorhandenen pädagogisch arbeiten können.

Ein Beispiel: Als wir im Zschonerbach ein dort liegendes Denkmal fanden, haben wir gefragt, warum es dort liegt; wir bekamen antworten und fanden später praktische Mitstreiter, die uns halfen, das Birus-Denkmal wieder aufzustellen und im alt-neuen Glanz wiederherzustellen.

Als wir die Einweihung desselben feierten, kamen ältere Herrschaften, die uns von den berühmten Hochwasserfotos des Wilhelm Liebert erzählten und somit begannen wir das Leben und Werk dieses Lehrers zu erforschen. Wir bekamen Kontakt mit dem Schulmuseum der Stadt und zu noch unveröffentlichten Schriften des Lehrers Friedrich Böttchers. Wenn ich heute, eben am Grabstein Böttchers, den Kindern von seinem reichen pädagogischen Schaffen erzähle, dann leuchten die Kinderaugen. Ich meine: Kinder werden hier Heimisch, weil sie aufmerksam gemacht werden, auf das, was buchstäblich am Wegesrand liegt.

Ein wichtiges Ziel unserer Pädagogik ist es, die Kinder auf "Kleines" hinzuweisen. Sie lernen durch Geschichten Geschichte. Sie nähern sich somit Neuem und Unbekannten und üben soziales Verhalten ein.

Auf Erfahrungen alter Menschen hören bedeutet, durch Erzählungen Sinn zusammenhänge erfahren, die in die Lage versetzt, den Wert des sie umgebenden zu schätzen.

All dies schenkt auch : die edle Tugend Höflichkeit.

Darüber hinaus : putzen die Ameisen den Zschonergrund, sie pflegen das Gelände des Pfarrhofes, sie legen Biotope an, pflanzen Obstbäume, tauschen mit anderen Kindern aus und sehen einmal im Lahr gern hinter den Hohen Schneeberg bei Tetschen. Heimat - Heimaten.

Doch nun Achtung: Jetzt spricht der Philosoph.

E.Bloch; " In der Heimat ist man nicht nur mit Menschen identisch"

Ich sage: Heimat das sind Alleen, Hecken, alte Wege und Höfe, die an die Lebensgewohnheiten und Inspirationen der Vorfahren erinnern. Und hier trifft im gemeinsamen Tun die Arbeit " Aktion Ameise" auf den Sächsischen Heimatschutz. Wenn ich überlege, wer noch die Aktivitäten der Ameisenburg besucht, dann wird die Reihe unserer Freunde immer länger. Es ist eine bunte Schar: zunächst die Ureinwohner des Miriqidi: Briesnitzer, Merbitzer, die am Merbitzer Ring wohnen oder daneben, die bauern aus Podemus und Altleuteritz, die Jugendfeuerwehr aus Gompitz und Mobschatz und die Förster und Jäger. Es gibt Selbstständige ,die uns materiell und ideell unterstützen. Es gibt Unterstützung durch die Stadt, die Bildungsagentur, die 76. Grundschule, das Land Sachsen und nicht zuletzt die Kirchgemeinde Briesnitz, auf dessen malerischen Hof immer noch unsere Basisstation liegt.

Immer noch ,muss ich leider einschränkend sagen, denn der Vorstand der Kirchgemeinde plant den Verkauf des Ensembles. Würde diese Überlegung umgesetzt, dann hätte ein " Alter Freund" der Beheimatung und ein öffentlicher Erinnerungsort, der Ort der Kommunikation des Evangeliums und des Gemeinwesens nach  Jahrhunderten sein jähes Ende gefunden. Der neue Gesellungsort der Gemeinde soll in der Nähe der B6 rücken, wo man sprichwörtlich sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Diese geplante Zweckmäßigkeit hinterlässt, so ist zu befürchten, unseren Kindern nur noch glatt Genormtes, in einer Ästhetik, der, wie ein Architekt zu pflegen sagte, "die Mitte" abhanden gekommen ist.

 

Heimat ist der "Lebenslandschaftliche Kern" der Menschlichen Wirklichkeit und je tiefer Kinder in dieser Wurzeln, desto leichter fällt es diesen ( frei nach Goethe) in die weite Welt davonzufliegen.

Sie können fliegen, weil sie einen Schatz im Grunde der Seele tragen, der sich jedem finanziellen Kalkül verwehrt.

 

Sensible Wege: Reiner Kunze

 

sensibel,

ist die erde

über den quellen,

kein baum darf gefällt,

keine wurzel gerodet werden,

die quellen könnten versiegen

 

wie viele bäume werden gefällt,

wie viele wurzeln gerodet

 

in uns.

 

Die Kindernaturschutzgruppe " Aktion Ameise" hat kleine Wege angelegt, die viele Menschen zur Gestaltung der Heimat nutzen. So geht Bildung. Dabei entsteht Heimat. Sie ist wertvoll, weil sie sich allein mit materiellen Dingen nicht mit aufwiegen lässt.

das Kostbare ist hier kostenlos.

 

Ich danke dem Sächsischen Heimatschutz für die Einladung.

 

Ich freue mich auf einen gemeinsamen Austausch und wünsche viele gemeinsame Projekte!

 

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